Zwischenspiel 3

Philipp Graf von Rieneck:

Liebes Volk !

Lang ist es her, dass ich mich mit einer Nachricht zu Worte meldete. Aber an diesem Jubeltag kann ich mich dem Drange nicht widersetzen.

Der Dom zu Mainz ist ein gar göttlich Bauwerk, nicht nur seine imposante Form sondern auch die dort wirkenden Wunder zeugen von Gottesnähe. Denn mein Siegelring hat über verschlungene Pfade an des Domes Pforten den Weg zu mir zurückgefunden. Aber lasst mich von Beginn erzählen.

Nach dem sich der Kaiser ob meiner Situation zur Beratung zurückzog, lauerte mir sein schrecklicher Hofmeister auf und raubte mir das Symbol meiner Herrschaft , den Siegelring meiner Vorfahren. Er behauptete, ich sei kein Graf mehr, solange der Kaiser dies nicht bestätigte. Er degradierte mich zu einem einfachen Mann ohne Titel, Gut und Einkommen. Er drohte gar an, den Ring dem Bischof von Würzburg zu übergeben!

Dies traf mich hart. Ich ein Schandfleck für meine Vorfahren, wovon sollte ich nun leben, welche Maid würde sich noch mit einem mittellosen ältlichen Kerl abgeben? So suchte ich Trost im Dom, direkt am großen Marktplatz von Mainz. Als ich mich durch die Massen der Händler und ihrer Kunden drängte, sah ich ein Weibsbild, das der dummen Gans aus der Taverne ähnlich sah. Wie es für meinen Stand, ähm früheren Stand, gehörte, maß ich dieser Person keinerlei Bedeutung bei, obwohl sie mich augenscheinlich erkannte und mir nachstarrte. Ich konnte nicht ahnen, dass sie der Schlüssel zu meinem Glück sein würde. Im Dom angekommen suchte ich eine stille Ecke, göttlichen Beistand zu erbitten und fand sie in einer kleinen der Jungfrau Maria gewidmeten Kapelle. Gerade als ich zu einem Stoßgebet ansetzte, trat ein wirr aussehender, nach Alkohol und Laster riechender und über die Maßen verzweifelter Mönch in die Nische und schrie tränenüberströmt Hilferufe gen Altar. Dies ging mir arg ans Herz. Ich sprach den armen Burschen an, was seine Pein ausgelöst habe. Dieser teilte mir mit, er habe mehrfach das Vertrauen seines Priors missbraucht und könne unmöglich diesem wieder unter die Augen treten. Ob meiner eigenen Situation weich ums Herz geworden, bot ich dem Tropf an, mich nach Rieneck zu begleiten und dort als Hauskaplan um Läuterung zu ersuchen. Ich erwähnte ihm noch, dass es unsicher sei, ob ich je wieder Graf von Rieneck sein würde, er willigte trotzdem dankbar ein.

Wir verließen das Gotteshaus. Draußen stand sie immer noch da, das Weib. Sie kam auf mich zu und erzählte mir eine gar unglaubliche Mär. Sie behauptete, sie sei im Besitze des Siegelrings meiner Grafschaft. Des Rings, den der Kaiser selbst an sich nahm. Ich glaubte es nicht, sie zeigte ihn mir und tatsächlich erkannte ich das Erbstück meiner Ahnen. Sie bot mir den Ring zum Kauf an. Ich musste ihr mitteilen, dass ich ohne Land und Titel und ohne Gold und Gut sei, was sie sichtlich traf. Dann machte sie mir ein seltsames Angebot. Ich solle sie mit nach Rieneck holen, solle ihr eine Festanstellung an meinem Hofe geben, als Stellvertreterin der Haus- Hofmeisterin. Sie schlug ein gar lächerlich Gehalt vor und selbstverständlich willigte ich umgehend ein. So ist er zu mir zurückgekommen. Mein Schatz. Auf dass das Schicksal meines Hauses wieder mit ihm verbunden sei.

Fürwahr ein göttlich Tag.

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