Zwischenspiel 2

Bruder Gabriel:

„Wer werden will, was er sein sollte, der muß lassen, was er jetzt ist.“ (Meister Eckhart)

Der Bruder Gabriel wurde mit bereits zehn Jahren von seiner bürgerlichen Mutter ins Kloster Eberbach zu Mainz geschickt um einen geistlichen Lebensweg einzuschlagen.
Sein Vater ist ihm nicht bekannt, doch mag es sich um einen Herrn von Adel gehandelt haben, der seinerzeit ein warmes Bett für die Nacht suchte.

Sei die Erziehung zu Glauben und Frömmigkeit noch so strikt im Kloster, so fand Gabriel schon früh mehr Gefallen an weltlichen Dingen. Trotz seiner eher behäbigen und unbekümmerten Art, investierte er viel Zeit und Kraft dem Abt des Klosters klar zu machen, dass er der beste Mann für die Mainzer Botengänge sei.

Nun, in seinem 26. Lebensjahr ist es soweit. Gabriel bekommt die Chance sich als Bote für ein wichtiges Gut zu beweisen…

Bruder Gabriel:

Da tanzt der Papst im Kettenhemd, so ein Schlamassel!!

Da hab ich endlich mal einen Auftrag vom Abt bekommen um diese elendigen Klostermauern zu verlassen und jetzt das

Einen Siegelring soll ich dem Kaiser zu Mainz bringen. Und was sagen diese Hunde, diese Gottlosen, die da vor der Residenz Wache schieben? Betrunken sei er, der Bruder Gabriel! Stinken, wie eine ganze Brennerei, soll er!

Nur weil ich auf dem Weg zu Mainz eine kurze Rast eingelegt habe und mir das Brot nunmal nur mit dem Biere mundet. Und hungrig war ich wohl! Nun, sei es drum. Morgen werd ich es noch einmal probieren und hoffentlich hilfsbereitere Wachleute vorfinden.
Gott leit‘ mich zur nächsten Schänke, wo ich meine trüb‘ Gedanken ertränke…

Bruder Gabriel:

Oh Herr, oh Herr! Was für eine Nacht! Famos war sie, grandios war sie. Doch mündete sie in einer Katastrophe. Der hiesige Wirt ist wohl kein Frommer. Er hilft keinem Frater in Not und verlangte doch die volle Zeche! Oh, und ich als armer Bruder soll sie dem Schweinehund entrichten.

Mein Leben hat er mir bedroht!

Doch Gott behütete mich – ein Wunder! Just in dem Moment, kam ein Händler auf mich zu und offerierte mir ein Angebot, welches ich nicht auszuschlagen gewagt.
Er sah den Siegelring an meinem Finger, und versprach mir die Bezahlung meiner Zeche für diesen.

Mein Leben ist mir geblieben. Der Ring ist aber weg, welch Katastrophe. So bin ich nun auf dem Weg zurück ins Kloster um beim Herrn Abt beichte abzulegen. Oh Vater, ich habe gesündigt…aber gelohnt hat es sich schon…

Alrik der Händler:

„Der Himmel hilft niemals denen, die nicht handeln wollen.“ (Sophokles)

Gerade wieder in Mainz sitze ich in meiner Lieblingstaverne. Sitze gerade bei einem gut gezapften kühlen Blonden, da kommt höre ich wie so ein trunkener Mönch mit dem Wirt debatiert. Da ich gerade nichts anders zu tun hatte, hör ich eben zu. Wie sich herausstellt, kann der Mönch die Zeche nicht bezahlen. Der Wirt hingegen möchte den Siegelring des Mönchs nicht als Bezahlung annehmen. Da ich einem guten Handel nie abgeneigt bin habe ich mich also erboten die Zeche des Mönchs zu bezahlen und habe im Gegenzug den Siegelring erhalten.

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